Im Zug unterwegs

Geschichten vom Bahnfahren

Einmal Lokführer

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Ich fahr’ dann mal Zug – und alle so yeah!

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Einmal Lokführer zu sein, welches Kind hat davon nicht mindestens einmal in seinem Leben geträumt? Der Beruf des Lokführers hat bestimmt nicht mehr den Glanz und den Ruhm des vergangenen Jahrtausends, aber eine Magie übt er immer noch aus. Wie kann man nun diesen Traum leben, ohne den Weg der schweren Ausbildung zu gehen? Die DB Training in Verbindung mit AMEROPA lässt jedermann schnuppern.

Durch einen Zufall hatte ich die Gelegenheit, in Fulda an einem solchen Schnupperkurs teilzunehmen. Ich machte mich also auf die Reise

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zum DB Trainingszentrum in Fulda.

Direkt neben dem Bahnhof liegt eines der 23 Trainingszentren der Deutschen Bahn AG (DB Training). Hier stehen sechs der 17 Loksimulatoren. In Fulda werden die Baureihen 401 (ICE1), 403 (ICE3), 407 (ICE4), 612 (Dieselneigetriebwagen), 422/423 (S-Bahn Rhein-Main) und 112/143 trainiert. Bei der Deutschen Bahn AG und den Privatbahnen sind insgesamt 36.000 Lokführer beschäftigt, die jedes Jahr zu ihren Pfichtübungsfahrten und zur Ausbildung das Simulatortraining absolvieren.

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Nach einer kleinen Einführung durch den Instruktor ging es dann in den Simulator der BR 612. Ich war schon ganz gespannt, da ich noch nie Neigetechnik erleben durfte, da die mir bekannten Strecken den Einsatz dieser Technik nicht erfordern. Nach einer Einweisung in die Amatureneinheit der BR 612 habe ich auf dem Lokführersitz Platz nehmen dürfen und ein Blick nach vorne auf die Leinwand hat mich in den Hauptbahnhof Stuttgart gezaubert.

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Es wurde die Strecke Stuttgart-Zürich einprogrammiert und der Zug setzte sich – auf meine Initiative hin – in Bewegung. Gar nicht so einfach, einen Triebwagen in den Vortrieb zu bringen, denn die BR 612 erfordert nicht nur, dass man den Lasthebel nach vorne schiebt, sondern man muss diesen zeitgleich auch noch nach unten drücken. Der Bremshebel ist auf der rechten Seite. Der Fahrplan schrieb erst einmal eine langsame Ausfahrt aus Stuttgart vor, was es einfacher machte, einen Überblick über die verschiedenen Monitore, Hebel, Tasten und die Umgebung draußen zu bekommen.

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Nicht so einfach, wenn man die Strecke nicht kennt, denn obwohl mir die Darstellungen auf den Monitoren bzw. Instrumenten bekannt sind, erscheinen sie mir plötzlich ganz fremd. Denn auf dem elektronischen Fahrplan ist jedes Signal, jede Weiche, jeder Bahnhof, jeder Haltepunkt und und und eingezeichnet. Des Weiteren muss man sich auch an der Umgebung orientieren, an welchem Streckenabschnitt man sich gerade befindet und auch noch die Geschwindigkeit an den vorgelegten Fahrplan anpassen, denn sonst bekommt man von der Fahrdienstleitung einen Rüffel, warum man so langsam fährt und nicht mehr fahrplangemäß unterwegs ist. So viel sei schon einmal gesagt, ich habe es geschafft, in den ca. 20 Minuten Simulation eine Verspätung von +13 Minuten zu verursachen … ein Glück, dass keine Reisegäste hinten im Zug gesessen haben, ich hätte mir bestimmt eine Beschwerde nach der anderen via Twitter eingeholt, dass Mitreisende ihren Anschluss verpassen 🙂

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Nach ca. 20 Kilometern tauchten dann plötzlich Personen im Gegengleis auf und mir wurde genauestens erklärt, welche Meldung ich nun der Fahrdienstleitung zu geben habe. Ein vorgegebener Wortlaut, der nicht verändert werden darf. Jetzt spielte sich eine festgelegte Kette von Handlungen ab, sodass die komplette Strecke für den Zugverkehr sofort gesperrt wurde. Diese genaue Handlungskette muss jedem Lokführer in Fleisch und Blut übergehen. Nach dem diese Gefahrensituation beendet war, ging es wieder weiter auf die Strecke über die Alp in Richtung Süden. In einem Waldstück musste ich eine Notbremsung durchführen und ein anderer Zug kam mir mit Rauchentwicklung entgegen, sodass ich alle Hände voll zu tun hatte. Alles authentische Situationen, die einem Lokführer wohl mindestens einmal pro Monat begegnen. Auf der Strecke musste ich dann wieder den Fahrplan überwachen, die Geschwindigkeit anpassen und die Signale beobachten. Ganz schön viel “Input” für einen Ungeübten …

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Nach dieser Erfahrung hat das Berufsbild des Lokführers meinen vollen Respekt. Wenn man als Reisegast in der Lounge hinter dem Lokführer sitzt, sieht alles so einfach aus. Gut, viel Erfahrung, Routine und Übung machen es bestimmt auch etwas einfacher, aber die große Verantwortung den Reisenden gegenüber bleibt.

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Ganz großes Kino durfte ich erleben und ich kann es wirklich jedem Interessierten nur sehr empfehlen, den Betrag zu investieren. Denn: Ein Kindheitstraum wird wahr!

 

 

5 Comments

  1. Ein schöner und eindrucksvoller Bericht. Danke!

  2. Auch wenn es einfach aussieht, so einfach ist es dann doch nicht, erst recht, wenn während der Fahrt technische Störungen auftreten, die auch noch betriebsdienstlich relevant sind und eine Koordination zwischen Zugchef, Verkehrsleitung und Betriebszentrale erfordern. Schön, dass es Dir gefallen hat.

  3. Ich sehe, du hast Spaß gehabt:-)

    Gruß

    Timo

  4. ja, Timo, schwer aber es hat richtig viel Spaß gemacht…

  5. Dann kannst du dir sicher vorstellen, dass man normalerweise ein etwas ungutes Gefühl vor dem Simulator hat, ich meine, wenn man nicht nur zu Spaß darauf fährt:-)

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