Im Zug unterwegs

Geschichten vom Bahnfahren

Eingestiegen in einen Renault Twizy

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Zwei meiner Bekannten fahren einen Toyota Prius und ein weiterer Bekannter fährt einen Lexus RX mit Hybrid-Technologie. Bei allen bin ich bisher immer nur als Beifahrer mitgefahren und hatte nun endlich meine erste Möglichkeit, ein 100% emissionsfreies Fahrzeug selbst zu fahren.

Gut, 100% emissionsfrei ist es realistisch gesehen nicht, denn es hat ja eine Batterie, die zwar mit Ökostrom geladen werden kann (bei Renault zumindest, da eine Kooperation mit der RWE besteht), aber dennoch nach gewissen Ladezyklen entsorgt werden muss. Die Produktion des Twizy ist ja auch nicht emissionsfrei und der Transport vom Werk zu den Händlern läuft nach wie vor via Diesel Lkw. Aber nah dran ist man schon ruhigen Gewissens ökologisch unterwegs zu sein.

Renault Twizy

Das Design des Twizy ist umstritten. Mir gefällt es, denn es ist ein richtiger Schritt in das Design der Zukunft. Nach dem Öffnen der Flügeltüre nimmt man auf einem Hartschalenplastiksitz Platz, der mir zwar ein wenig zu hart war, aber für lange Ausfahrten ist der Twizy schließlich auch nicht gedacht. Mal schnell zum Einkaufen, flott in den Biergarten oder kurz ein paar Erledigungen machen, das sind die Einsatzgebiete, bei denen der Renault seine Stärke beweist.

unterwegs im Twizy

Den Twizy gibt es mit zwei Motorvarianten: 5PS und 18PS. Bei einem Gewicht von 562kg ist das Drehmoment von 57 nm nicht der Hammer, aber der Twizy überrascht mit seinem Sprint auf 50 km/h. Es hört sich zwar so an, als ob eine Straßenbahn anfährt, aber von einem Elektromotor darf man das erwarten. Die Außenspiegel geben einem eine gute Sicht nach hinten, und dass der kleine Wagen keine Heckscheibe hat, störte mich nicht.

unterwegs im twizy

Das Fahrgefühl hat mich an ein Quad oder ein Gokart erinnert. Die Federung ist hart, und wenn man über die Bremsschwellen fährt, dann hebt es einen leicht aus dem Sitz, aber der Dreipunktgurt hält den Fahrer fest. In keiner Kurve hatte ich Angst aus dem Wagen zu fallen, aber dafür haben mich die heißen Temperaturen (32 Grad) ins Schwitzen gebracht. Erst später hörte ich davon, dass es ein Sonnenrollo gibt, das das Glasdach komplett abdeckt. Eine künstliche Lüftung oder für die kälteren Tage eine Heizung sucht man vergeblich. Der Twizy ist Fahrfreude pur und die Außentemperatur gibt die Kleidung innen vor. Aber bei einer Reichweite von 80-160 KM spielt es eigentlich keine Rolle. Nun sind wir schon bei meinem Kritikpunkt. Ich wohne auf dem Land und ein kurzer Abstecher in die nächstgrößere Stadt bedeutet eine Fahrstrecke von 25 KM One Way. Also komme ich gerade mal mit einer vollen Batterieladung in die Stadt und zurück. Es gibt zwar immer mehr Stromtankstellen und auch die Parkhäuser bieten nun spezielle Parkplätze für Elektrofahrzeuge an, aber bei steigender Fahrzeugzahl könnte es ein Problem werden, den Weg nach Hause zu schaffen. Der zweite Sitz (hinter dem Fahrer, wie bei einem Flugzeug) bietet genug Platz und Sicherheit, um den kleinen Einkauf zu verstauen, aber wenn man zu zweit unterwegs ist, dann bleibt einem nur Platz für ein bis zwei Handtaschen. Vergeblich suchte ich eine 12-V-Steckdose für mein Handy. Es gibt zwar optional Platz für zwei Lautsprecher und man kann eine Bluetooth-Schnittstelle montieren, sodass man sein Smartphone mit dem Twizy verbinden kann. Eine App für das Fahrzeug, wie es der ZOE anbietet, gibt es leider jedoch (noch) nicht.

im Fokus

Die Batterie muss man monatlich bei Renault kostenpflichtig mieten. Das hat zwar den Vorteil, dass diese, wenn sie nicht mehr 100% funktioniert kostenlos ausgetauscht werden kann, aber man muss den Wagen dafür in die Werkstatt bringen. Erfahrungswerte fehlen mir hier, was die Betriebsdauer angeht.

 

Mit knapp € 6.500 ist der Twizy eine gute Alternative zu einem Motorroller, sicherer und auch praktischer. Der Grundstein bei Renault ist für einen alternativen Antrieb in Serie gelegt und mit dem größeren ZOE ist ein weiteres Fahrzeug in der Flotte, das zukunftsweisend unsere nicht nachwachsenden Ressourcen schont. Ich kann mir den Twizy perfekt als Fahrzeug in der Stadt oder als Spaßmodell im Ferienort vorstellen. Im alltäglichen Gebrauch ist er m.E. zurzeit jedoch nur bedingt einsetzbar. Der Spaßfaktor überwiegt hier sehr den Nutzen, aber der Preis macht es einem dann doch einfach, sich gegen ein Zweirad zu entscheiden. Den kleineren Twizy 45 kann man sogar schon ab 16 Jahren fahren.

One Comment

  1. Ich habe mir den Twizy auch schon angeschaut, weil ich als nächsten Wagen auch ein e-Auto haben möchte. Den Twizy könnte ich mir auch am ehesten als Stadtauto oder eben als Zweitauto vorstellen, wenn man dann den Erstwagen für Einkäufe, Urlaubsfahrten etc nutzen kann. Für mich ist der Twizy jedenfalls nicht geeignet, da er zu wenig Platz hat. Ich favorisiere ja den Zoe, weil er sowohl beim Preis und auch der Geräumigkeit einen ganz guten Eindruck macht. Zumindest ist der Zoe zur Zeit der einzige Elektrowagen, der für mich in Frage kommt, weil andere elektrische Vier-oder Fünfsitzer mit 30-35.000 Euro einfach zu teuer sind.

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