Im Zug unterwegs

Geschichten vom Bahnfahren

Ein kleiner Imbiss in der Bahnlounge

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Dieser kleine Artikel ist im Rahmen der Blogparade – Esskultur 2.0: Analoger Käse & Digitale Wurst entstanden.

Man hetzt von Termin zu Termin und leider ergibt sich keine Gelegenheit, am Mittag etwas zu essen. Sie kennen das? Dann bieten die größeren Bahnhöfe jede Menge Möglichkeiten, sich einen kleinen oder großen (un-)gesunden Imbiss zu verschaffen. Dort findet man: pseudo-französische Bäckereien, deutsche Backwaren, Wurst in allen Farben und Regionalausprägungen, Obst und Asia-Shops. Wenn man ein Ticket der 1. Klasse der Deutschen Bahn hat, bietet sich auf einigen Bahnhöfen zudem die Alternative, die Lounge zu besuchen.

Angebotskarte der DB Bahn

Angebotskarte der DB Bahn

In den DB Lounges der Hauptbahnhöfe München, Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin befinden sich 1. Klasse Bereiche mit gesondertem Service. Also eine Extrawurst für Reisende mit erstklassigem Ticket. Was wird nun geboten? Ich persönlich hatte bisher nur das Vergnügen, am Frankfurter, Berliner und Kölner Hauptbahnhof den 1. Klasse Service zu testen. Das Angebot an Getränken ist überall gleich: diverse Softdrinks aller Art (eines speziellen Sodaherstellers aus den USA) und – hier ist der Unterschied zur 2. Klasse – Bier und Wein sind kostenlos erhältlich und werden durch die Servicemitarbeiter der DB am Platz serviert. Kaffeespezialitäten wie Cappuccino, Latte oder Milchkaffee bekommt man aus „besseren“ Vollautomaten als die großen Getränkemonster der 2. Klasse. Zur Mittagszeit eine kleine Portion Chili oder Eintopf mit Brötchen ist ebenfalls im kostenlosen Angebot erhältlich.

Eintopf und Softdrink

Eintopf und Softdrink

Zu allen Tageszeiten kann man ein belegtes Vollkornbrot mit Käse (junger Gouda) oder Sandwiches der diversesten Art erhalten. Nachmittags gibt es eine kleine Auswahl an Kuchen oder Petit Fours oder in der Sommerzeit Eis. Was am frühen Morgen oder Abend gereicht wird, weiß ich leider nicht. Also ein täglicher Full Service zwischen 7.00 Uhr und 21.00 Uhr. Ich erinnere mich noch gerne an eine Rückreise von Berlin nach Köln, auf der ich mein Portemonnaie in Berlin hatte liegen lassen und nur noch meine BahnCard100 bei mir trug, da ich an diesem Tag diese alberne, durchsichtige Plastikhülle am Schlüsselband um den Hals trug, in der meine BahnCard steckte. Hungrig wie ich war und ohne finanzielle Mittel suchte ich nach einer Möglichkeit, meinen Hunger (und es war wirklich Hunger) zu stillen. Nach fast sieben Stunden Reisetätigkeit von Berlin nach Köln (normal sind vier Stunden 22 Minuten), da mir wieder einmal das volle Programm an Weichenstörungen, Signalschäden und Überholungen von Güterzügen geboten wurde, eilte ich um 20:45 Uhr in die Kölner Lounge. Immer auf die Uhr schielend, da mein Anschlusszug um 21.01 Uhr planmäßig abfahren sollte und der nächste erst wieder eine Stunde später abfahren würde, hastete ich an der Theke im Eingangsbereich der Lounge kommentarlos an dem DB Mitarbeiter vorbei in den 1. Klasse Bereich. Der Servicemitarbeiter dort schaute mich an und sagte: „Man(n), Sie sehen aber fertig und hungrig aus, Bütterchen?“ Etwas verdutzt, aber mit einem seligen Gefühl wieder in der Heimat zu sein, schaute ich ihn an und nickte. Ich sage ihnen, noch nie hat ein Käse-Vollkorn-Brot so gut geschmeckt. Mitnehmen durfte ich es leider nicht, da die Speisen vor Ort verzehrt werden müssen, aber mein erster Hunger war gestillt und ich konnte die letzte Zugfahrt des Tages etwas entspannter antreten. Seitdem habe ich immer einen Notfünfer in der Tasche für alle Fälle …

Blick aus der DB Lounge in Frankfurt am Main

Blick aus der DB Lounge in Frankfurt am Main

Aber zurück zu den Lounge-Angeboten der Deutschen Bahn. So befinden sich in allen Lounges kostenlose Telekom Hotspots, darüber hinaus sind Büroarbeitsplätze und eine Auswahl an Tageszeitungen in beiden Klassen inklusive. Wer noch eine Sitzplatzreservierung, Fahrkarte oder Umbuchen möchte, kann dieses an der Rezeption vom DB Personal erledigen lassen; er muss sich also nicht in die langen Reihen an den öffentlichen Schaltern stellen. Zutritt zu den Lounges der Deutschen Bahn erhält man, wenn man Comfort Status (also mehr als € 2.000 pro Jahr an Tickets umsetzt) oder ein 1. Klasse Ticket der Bahn hat. Auch BahnCard 100 Besitzer haben kostenlosen Zugang zu allen DB Lounges. Diese befinden sich in den Hauptbahnhöfen der folgenden Städte:

Berlin Hbf
Bremen Hbf
Düsseldorf Hbf
Dresden Hbf
Essen Hbf
Frankfurt/M. Hbf
Frankfurt/M. Flughafen Fernbahnhof
Hamburg Hbf
Hannover Hbf
Köln Hbf
Leipzig Hbf
Mannheim Hbf
München Hbf
Nürnberg Hbf
Stuttgart Hbf

Die Nutzungsbedingungen können auf der Seite der Deutschen Bahn abgerufen werden:
Im Internet findet man die Lounges hier.

Mein Fazit über die DB Lounges: absolut sinnvoll, leider zu Stoßzeiten überfüllt, reichhaltiges Angebot an Speisen und Getränken, kostenlose Zeitungen und kostenlose Hotspots der Telekom. Gerade für den täglichen Fern-Berufspendler eine dritte Heimat und nach einiger Zeit des Pendelns freut man sich, mit Namen begrüßt zu werden und man plauscht mit den Servicemitarbeitern über den alltäglichen Bahnsinn 😉

Mein Wunsch an die DB Bahn: Eröffnet an mehr Bahnhöfen Lounges! So wäre es meiner Meinung sinnvoll, in Köln Messe/Deutz, Augsburg oder Ulm noch eine weitere Lounge im Angebot zu haben.

Mein Wunsch für die Mitreisenden: Behandelt die Sevicemitarbeiter der DB Lounges gut, denn a) sind es auch Menschen und b) sie können einem aus der Patsche helfen, wenn es darauf ankommt.

4 Comments

  1. Pingback: Aufruf zur Blogparade: Esskultur 2.0 - Analoger Käse & Digitale Wurst - Wie kochen und genießen wir morgen? | Social Media Dinner

  2. Ein guter Artikel :), aber ich habe ein paar kleine Anmerkungen:
    1) Zum Frühstück gibt es Croissants 😉
    2) Comfort wird man ab 2000 Punkten (also 2000€)
    3) Ein Kritikpunkt an den Service im 1. Klasse: Es gibt keine (Zitat) “Mischgetränke”, also es wird kein Cola-Weizen gemischt. Das darf/muss man selber machen.

  3. Danke für den Hinweis. Punkt 2 ist im Text geändert. Oh, Croissant zum Frühstück – da muss ich mal vorher abbiegen 😉 Punkt 3: da muss man eben doppelt trinken 😉

  4. Informativer Artikel!

    Bislang haben wir den Zug nicht oft genutzt, das wird sich jetzt ändern. Gut zu wissen, wo es eine Alternative zu den üblichen Futterbuden gibt.

    Beste Grüße aus Hannover,

    TCG

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