Im Zug unterwegs

Geschichten vom Bahnfahren

Setup 21 – Dagmar Buggle

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1. Wer bist Du, was machst Du und wo haben wir uns das erste mal kennengelernt?

Ich heiße Dagmar Buggle und lebe am südlichsten Ende unseres Landes – in Meckenbeuren an der schwäbischen Eisenbahn. Ich bin teilweise selbständiger und teilweise angestellter Consultant für Konzeption und Softwareentwicklung rund um das Thema Prozessautomatisierung von Dokumentation und Informationsflüssen. Wir haben uns (noch) gar nicht kennengelernt, ich folgte Dir nur eines Tages auf Twitter (@db_uebersee) wegen Deiner lesenswerten Bahntweets.

2. Welche Bahncard hast Du oder welches Ticket nutzt Du meistens?

Ich habe eine BahnCard 50 und habe zuletzt den Comfort-Status wieder verloren. Das macht allerdings nicht viel, da sowohl der Großstadtbahnhof Meckenbeuren 😉 als auch sämtliche ihn umgebenden Bahnhöfe keinerlei Mehrwert für Bahn-Comfort-Kunden bieten. Der nächste ICE ist ebenfalls eine Bahnstunde entfernt. Meistens bin ich mit Handy-Ticket unterwegs, was hier immer mal wieder zu erstaunten Blicken meiner Mitreisenden führt.

3. Wie oft fährst Du Bahn und welche Züge nutzt Du?

Ich fahre mindestens einmal in der Woche zu einem Kunden nach Biberach. Die Firma ist freundlicherweise fast direkt am Bahnhof gelegen. Als autofrei Lebende nutze ich auch hier im Umkreis immer mal wieder die Bahn – der Bodenseekreis darf sich rühmen, mit der Bodensee-Oberschwaben-Bahn eine hervorragend funktionierende Nahverkehrsverbindung sein eigen zu nennen. Dazu kommen noch diverse Ausflugs- und Urlaubsfahrten, die ich bevorzugt per Bahn unternehme. So zum Beispiel letzten September per Thalys und Eurostar nach Südengland.

4. Platzreservierung oder Risiko?

Im Nahverkehr, den es hier fast ausschließlich gibt, stellt sich die Frage erst gar nicht. Wenn ich weiter weg fahre, reserviere ich selten, wenn ich allein unterwegs bin – in meinem Lieblingsabteil ganz hinten bzw. ganz vorne im ICE gibt es fast immer Platz.

5. Was hast Du meistens bei Deinen Bahnfahrten dabei?

Immer das iPad und die digitale Ausgabe der Zeit auf diesem. Fast immer mein birdy, was den Aktionsradius auf sehr spaßbringende Art und Weise erweitert. Und es freut mich immer noch unglaublich, dass ich auf diese Weise ein Fahrrad im ICE mitnehmen darf.

6. Wie vertreibst Du Dir die Zeit im Zug?

Wenn ich Netz habe: Twittern und Facebooken. Wenn nicht, Zeit lesen. Manchmal auch einfach nur aus dem Fenster schauen. Bis mir wieder etwas auffällt, was unbedingt zu twittern ist.

7. Was ist für Dich die perfekte Bahnlektüre /-Musik -/Film

Wie schon oben erwähnt – die Zeit, die ich tatsächlich fast ausschließlich in der Bahn lese.

8. Hast Du schon ein nachhaltiges Erlebnis im Zug/auf dem Bahnhof gehabt?

Das jüngste, ziemlich nachhaltige war die Fahrt mit dem Eurostar nach London im September. Alles schien hundertprozentig zu funktionieren, bis der Zug direkt vor dem Tunnel zu stehen kam. Durchsagen berichteten von einem technischen Problem, das zu lösen man bemüht war. Leider enttäuschten die um einiges später durchgegeben Informationen die Passagiere: man könne die technischen Probleme leider nicht beheben und müsse deswegen nach Lille zurück fahren. Dort würden wir einen funktionierenden Zug erhalten, der uns durch den Tunnel fahren würde. Nach dreiviertelstündiger Rückfahrt und weiteren zwanzig Minuten, in denen zwei komplett entleerte Eurostar-Züge sich am Bahnsteig gegenüber standen, ging es tatsächlich doch noch durch den Tunnel durch. In London kamen wir dann allerdings mit +161 (Minuten Verspätung) an, direkt zum Zeitpunkt, an dem am 5 km entfernten Bahnhof Paddington mein letzter Anschlusszug nach Südwestengland abfuhr.

So war ich also ohne Übernachtungsmöglichkeit in London gestrandet. Ich klemmte mich an verschiedenste Mitarbeiter, die sich um die verspäteten Passagiere kümmerten und landete schließlich beim Customer Service, wo man mir versicherte, man würde mir ein Zimmer besorgen. Nach einigen Telefonaten wurde ich zusammen mit zwei weiteren Gestrandeten dann zu unserer Unterkunft geleitet.  Wir mussten nicht mehr weit laufen: das beeidruckend große viktorianische Bahnhofsgebäude St. Pancras, in dem auch der Eurostarbahnhof beheimatet ist, ist ein kürzlich komplett renoviertes Hotel der Marriott-Gruppe, das Einzelzimmer ab £ 300. Hier quartierte man uns ein, was wirklich eine großartige Entschädigung für den Bahnfail war.

 

9. Was findest Du gut im Zug/am Bahnhof?

Nichts entspannt mich so sehr wie Bahn fahren. Darüber hinaus lerne ich sehr gerne Leute und deren Geschichten kennen.

10. Was stört Dich im Zug/am Bahnhof?

Dass hier in der Provinz nahezu bahnmittelalterliche Zustände herrschen. Die nicht vorhandene Elektrifizierung aller (!) unserer Bahnstrecken ist meines Erachtens noch hinnehmbar, da die Dieselloks extrem zuverlässig sind. Was aber völlig nervt, ist die einspurige Ost-West-Verbindung parallel zum Seeufer, woraus sich häufigst Verspätungen ergeben. Die besonders lästig sind, wenn man in Basel Richtung Norden einen wahrhaftigen ICE erwischen möchte. Dieser ist mir hier schon so oft so unglaublich knapp vor der Nase weg gefahren…

11. Gibt es eine Anekdote von einer Bahnfahrt die Du hier mitteilen möchtest?

Vor wenigen Jahren war ich einmal von Solingen zurück an den Bodensee unterwegs. Ich hatte das Glück, an diesem Tag zweimal einen defekten Zug zu erwischen und meine Gesamtverspätung addierte sich bis zum Schluss der Reise auf vier Stunden, bei einer Fahrt von sonst fünf Stunden ist das schon was. Unvergessen bleibt mir jedoch der Zugbegleiter im zweiten kaputten Zug, als dieser vor Stuttgart herumstand und ich ihm mit Galgenhumor von meinem bisherigen Abenteuer erzählte: “Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in einem defekten Zug unterwegs sind, liegt bei 90%.” Ich denke, dass die Bahn jedoch inzwischen wieder etwas besser geworden ist.

12. Wie sieht für Dich der Personenverkehr der Zukunft aus?

Für kurze Strecken, vor allem innerstädtisch ganz klar das Fahrrad. Selbst im Güterverkehr kann viel mit Lastenrädern erreicht werden. Für längere Strecken die Bahn, die gerade hier in der Gegend zumindest in den Abendstunden noch ordentlich verdichtet gehört! Und so hoffe ich auf eine stressärmere postautomobile Gesellschaft. Hoffentlich nicht nur eine Utopie!

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