Im Zug unterwegs

Geschichten vom Bahnfahren

Setup 7 – Kerstin Hoffmann

Heute hat mir Dr. Kerstin Hoffmann die 12 Fragen beantwortet – eine Gelegenheitspendlerin

 

1. Wer bist Du, was machst Du und wo haben wir uns kennengelernt?
Ich heiße Kerstin Hoffmann. Ich entwerfe für und mit Unternehmen ihre Kommunikationsstrategien und unterstütze sie in Sachen PR, Social Web und Text. – Du und ich haben uns stilecht auf einem Bloggergespräch der Deutschen Bahn das erste Mal persönlich getroffen. Danach habe ich direkt bei dir einen Gastbeitrag über ein Bahn-Erlebnis gebloggt: „Die Deutsche Bahn, meine Twitter-Timeline, der VFL Wolfsburg, Felix Magath und ich
2. Welche Bahncard hast Du oder welches Ticket nutzt Du meistens?
Ich denke seit Jahren über eine Bahncard nach, immer dann, wenn gerade viele Fahrten anstehen – aber genau dann wieder kommen lange Phasen, in denen ich meine Ziele nur mit dem Auto oder Flieger gut erreichen kann oder nur Kundentermine in der Nähe habe … – Ich fahre so gut wie immer 1. Klasse, weil ich da besser arbeiten kann, Strom und oft auch WiFi habe. Außerdem ist es ruhiger, vor allem in Zubringerzügen im Berufsverkehr. Auch die DB Lounge, wo es denn eine gibt, ist eine große Erleichterung, wenn ich mal wegen einer Verspätung irgendwo hängenbleibe – und die kann man ja nur mit 1.-Klasse-Ticket besuchen. Wenn es geht, nutze ich Sparpreise. Ist aber oft nicht möglich, wenn ich relativ kurzfristig buchen muss.
3. Wie oft fährst Du Bahn und welche Züge nutzt Du?
Phasenweise habe ich eine oder mehrere Zugreisen pro Woche, oft auch an einem Tag mehrere Stunden hin und zurück – etwa für Vorträge –, und das mehrere Tage hintereinander. Dann wieder wochenlang keine. In der Regel fahre ich mit dem Taxi zum nächstgelegenen Bahnhof und dann mit dem Regionalexpress zum ICE. Am häufigsten und am längsten sitze ich im ICE.
4. Platzreservierung oder Risiko?
Platzreservierung.
5. Was hast Du meistens bei Deinen Bahnfahrten dabei?
Arbeitsmaterial, für mehrtägige Reisen mein Übernachtungsgepäck, iPhone, Netbook oder iPad.
6. Wie vertreibst Du Dir die Zeit im Zug?
Ich genieße den Blick aus dem Fenster – einfach mal nichts tun, rumsitzen, entspannen. Zwischendurch erledige ich meine Mails, zappe durch die Nachrichtenportale, lese meine Twitter-Timeline und facebooke in Echtzeit irgendwelche Begebenheiten oder Beobachtungen aus dem Zug. Manchmal fallen mir Blogbeiträge ein, die ich dann direkt niederschreibe. Oft lerne ich auch richtig interessante Menschen kennen und unterhalte mich mit ihnen.
7. Was ist für Dich die perfekte Bahnlektüre /-Musik -/Film
Facebook und Nachrichten sind meine liebste Bahnlektüre. Auf dem iPhone habe ich einen großen Teil meiner Musiksammlung dabei. Da wähle ich nach Stimmung aus. Amy MacDonald höre ich derzeit sehr gerne. Oder klassische Klavierkonzerte. Wenn es durch dramatischere Landschaften geht, am liebsten Wagner.
8. Hast Du schon ein nachhaltiges Erlebnis im Zug/auf dem Bahnhof gehabt?
Ach, da gibt es viele lustige und einige sehr nervige Erlebnisse. Reisephasenweise ist meine Facebook-Pinnwand voll davon. Ich erwerbe sogar neue Vokabeln, zum Beispiel als im vorletzten, sehr heißen Sommer überall die Klimaanlagen ausfielen, das Wort „Kulanzgetränk“.
Vor allem lerne ich viele Menschen kennen. Manche unfreiwillig, wie letztens die schwäbelnde Rentnercombo, die auf dem Weg von Frankfurt nach Berlin nonstop ihre unmaßgebliche Sicht auf das Lebens untereinander ausbreitete, meist gleich mehrstimmig. Nur einmal verstummten sie gleich für fast eine ganze Minute. Das war, als ich völlig entnervt auf meinem iPhone „Paint it black“ auf volle Lautstärke gedreht hatte – und die Ohrstöpsel zwar in den Ohren steckten, aber den Kopfhörerstecker nicht im Gerät; und gemerkt habe ich das erst, als das Intro schon fast vorbei war und alle mich anstarrten.
Oder den ziemlich angegrauten Herrn im Edelzwirn mit der seeehr jungen Begleiterin, der das ganze Großraumabteil daran teilhaben ließ, wie er seine Sekretärin per Telefon herrisch zum Handkoffer machte, weil sie für „Mausi“ nicht schnell genug eine Massage im Hotel organisierte. Sekunden, nachdem „Mausi“ ausgestiegen war, rief er die Sekretärin erneut an, sprach plötzlich freundlich und schon fast devot mit ihr und entschuldigte sich, dass er eben gerade so ungeduldig gewesen sei.
9. Was findest Du gut im Zug/am Bahnhof?
Dass ich nicht selbst fahren muss, sondern entspannt sitzen und Kaffee bestellen kann. Die DB Lounges.
10. Was stört Dich im Zug/am Bahnhof
Am Bahnsteig stört mich häufig der Zug – also der kalte Wind. Ansonsten schleppe ich manchmal ganz schön schwer an meinem Gepäck von Umstieg zu Umstieg. Außerdem gibt es zu wenige DB Lounges.
11. Gibt es eine Anekdote von einer Bahnfahrt die Du hier mitteilen möchtest?
Vorletzte Woche hatte ich ein sehr nettes Erlebnis: Der ICE lief mit Verspätung in Berlin ein, und ich musste doch an diesem Abend unbedingt den Anschluss-Bummelzug nach Jottwehdeh erreichen. Von „Hauptbahnhof  hoch“, wo der ICE ankam, bis „Hauptbahnhof tief“ knapp zwei Minuten Umsteigezeit – drei Stockwerke, und ich wusste nicht ganz genau, wo ich hinmusste. Neben mir an der Zugtür stand ein wohlgenährter Mittfünfziger, der, wie sich herausstellte, das gleiche Problem hatte. Er kannte sich aber aus und meinte: „Bleiben Sie einfach an mir dran!“ Der konnte vielleicht rennen (und ich bin gut trainierte Läuferin!). Wir haben den Zug tatsächlich gemeinsam erreicht, mit Gepäck und allem. Wir schieden am Zielbahnhof als beste Freunde; aber wenn es nicht der Zufall will, werden wir einander nie wiederbegegnen.
Ich liebe diese ephemeren Zufallsbegegnungen, in den für kurze Zeit sowas wie sehr große Vertrautheit entsteht.
12. Wie sieht für Dich der Personenverkehr der Zukunft aus?
Ach, darüber habe ich mir ehrlich gesagt, noch nie so richtig Gedanken gemacht. Mir würde es schon reichen, wenn in allen Zügen das WiFi gut funktionieren würde. Und wenn alle Menschen lernen würden, wie man die Tastentöne an iPad und iPhone abstellt.

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